Eule
Städt. St.-Anna-Gymnasium

Gedenken an Hugo, Fritz und Dora Helbing

Gebet

Ein Zeichen gegen das Vergessen

Am 23. April, dem Geburtstag von Hugo Helbing, wurden am ehemaligen Wohn- und Wirkungsort der Familie Helbing in der Liebigstraße 21 feierlich Erinnerungszeichen für Hugo Helbing sowie seinen Sohn Fritz und dessen Ehefrau Dora angebracht.

Hugo Helbing war einer der renommiertesten Kunsthändler und Auktionatoren Deutschlands im 20. Jahrhundert. Im Alter von 22 Jahren eröffnete er seine neue Galerie in der Liebigstraße 21. Der gläserne Oberlichtsaal im Erweiterungsbau in der Wagmüllerstraße 15 galt als einer der schönsten Schauräume Europas. Hugo Helbings Auktionen waren jahrzehntelang gesellschaftliche Ereignisse. Seine Galerie etablierte sich zudem als repräsentativer Ausstellungsraum für zeitgenössische und avantgardistische Künstler. Hugo Helbing war außerdem einer der bedeutendsten Kunstmäzene Münchens. Als jüdischer Auktionär erlitt er unter den Nationalsozialisten ein grausames Schicksal: Nach dem Entzug seiner Versteigerungserlaubnis im Jahr 1934 wurde er während der Reichspogromnacht 1938 in seiner Wohnung von der SA schwer misshandelt. Er verstarb kurz darauf an den Folgen dieser Verletzungen im israelitischen Krankenhaus. Fritz und Dora Helbing wurden 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Unter den Gästen der anschließenden Gedenkveranstaltung in unserer Aula befanden sich neben der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Frau Dr. Charlotte Knobloch, auch Vertreter der Landeshauptstadt München sowie zahlreiche Angehörige der Familie Helbing.

Besonders hervorzuheben ist das Engagement unserer Schülerinnen Elina, Alba, Luisa und Anna aus der 11. Jahrgangsstufe. Im Rahmen der diesjährigen Wissenschaftswoche befassten sie sich intensiv mit der Geschichte der Familie Helbing. Ihre Arbeit zeigte, wie lebendig und wirksam schulische Forschung zur Vergangenheit im Heute sein kann. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Iria aus der 7. Jahrgangsstufe.

Aula

»Nie wieder!«

In ihrer Ansprache unterstrich Frau Dr. Charlotte Knobloch die tiefe Bedeutung der Erinnerungsarbeit: »Indem wir an die Familie Helbing und an die vielen Millionen anderer Opfer des Holocaust erinnern, ehren wir das Andenken derer, denen größtes Unrecht widerfahren ist. Und wir schützen damit auch unsere Zukunft«. Sie mahnte eindringlich: »Wir lassen die Vergangenheiten nahe an uns heran, damit sie uns nicht mehr einholt. Nie wieder«.

Rede von Dr. Knobloch

Herr Dr. Johannes Nathan, ein Nachkomme der Familie Helbing, gab umfassende Einblicke in die weit verzweigte Familiengeschichte und das Forschungsprojekt zur Rekonstruktion des Erbes von Hugo Helbing.

Auch die Kunsthistorikerin Frau Professor Dr. Meike Hopp, deren Dissertation die Basis für die heutige Erforschung Helbings legte, sprach zu den Gästen. Als ehemalige Schülerin des St.-Anna-Gymnasiums betonte sie: »Geschichte ist nichts Fertiges. Sie entsteht durch Fragen, durch genaues Hinsehen. Und manchmal auch dadurch, dass man an einem Punkt weiterfragt, an dem andere schon aufgehört haben zu fragen«. Sie unterstrich, dass ein Erinnerungsort auch immer ein Zeichen für die Gegenwart sei: Es gelte, auch heute »hinzusehen, nicht wegzuschauen«, damit Antisemitismus und Ausgrenzung keinen Platz in unserem Alltag finden.

Für das St.-Anna-Gymnasium ist diese Veranstaltung ein wichtiger Bestandteil des Bildungsauftrags. Wie Frau Oberstudiendirektorin Sütsch betonte, ist die Schule durch die Arbeit der Schülerinnen zu einem Raum für Haltung, Forschung und gelebte Demokratie geworden. Die Erinnerungszeichen in der Liebigstraße mahnen uns und künftige Generationen, Antisemitismus und jeder Form von Menschenfeindlichkeit konsequent entgegenzutreten.

Iris Vogeltanz